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 Betreff des Beitrags: Durch den Weizen
BeitragVerfasst: 5. Sep 2010, 20:51 
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Beiträge: 23
Geschlecht: männlich
Blut.
Blut.
Überall.
Wintermaul erwachte wie aus einem Fiebertraum. Seine Muskeln schmerzten und die Vormittagssonne beschien warm seine nackte Haut. Ächzend setzte er sich auf und sah sich um. Sein Haar hing ihm in wilden Strähnen ins Gesicht. Es war verklebt und eine braunrote Flüssigkeit tropfte davon herab. Sofort nahm er den Eisengeruch wahr. Blut. Auch sein fast nackter Körper war über und über befleckt davon. Wo war er? Wie ist das passiert? WAS genau ist passiert?
Es war nicht sein eigenes Blut, soweit er das beurteilen konnte, hatte er keine offenen Wunden. Sein Schädel brummte.
Er hatte in einem Weizenfeld gelegen. Um ihn herum war keine Menschenseele, nur in der Ferne trübte der Dampf aus einigen Kochstellen den sonst klaren Himmel. Dort musste ein Dorf sein.
Bunte Punkte bewegten sich am Ende des Feldes. Waren da Leute? Er ging unschlüssig durch die Reihen der auf die Ernte wartenden Ähren und konnte bald auch Geräuschfetzen herüberwehen hören.
Da waren eine zierliche Gestalt, offenbar eine Frau, und vier größere. Sie stritten anscheinend. Durch den Weizen spähend konnte Wintermaul sie gestikulieren sehen. Beschimpfungen wurden gerufen. Plötzlich drehte sich die Frau um und begann, am Feldrand entlang, einen flachen Hügel herunterzurennen. Die Männer setzten ihr nach.
Wintermaul musste näher heran gelangen. Er verstand nicht genau, was vor sich ging. Alarmiert hastete er im Schutz des Feldes hinterher und freute sich einen Augenblick lang darüber, dass es ihm keinerlei Schwierigkeiten bereitete, das schnelle Tempo mitzuhalten. Endlich war dieser Fluch einmal zu etwas Gutem zu gebrauchen.
Dann holten die Männer die Frau ein. Sie packten sie und zogen sie zu sich. Die Schreie durchdrangen den Nebel, der auf Wintermauls Gedanken gelegen hatte und in Sekundenbruchteilen konnte er wieder klar denken.
Er schob die Ähren beiseite und warf sich ohne zu zögern mit einem kräftigen Sprung gegen den ersten der völlig überraschten Männer. Bei besserer Sicht stellten sie sich als junge Burschen heraus, vielleicht etwas jünger als er selbst.
Unbewaffnet und um die Hüfte nur mit ein paar Stofffetzen bekleidet packte er den Bauer und warf ihn nach hinten.
Zwei Burschen hielten die Frau fest, die bei seinem plötzlichen Auftauchen verstummt war.
Der vierte hatte eine Heugabel bei sich, mit der er dem aufgebrachten Wintermaul entgegentrat. Das Metall des Werkzeugs war dunkel und trüb und konnte keinesfalls aus Silber sein. Folglich keine Gefahr. Wintermaul stürmte geradewegs auf den Mann zu und beachtete die Heugabel nicht, die der ihm in den Bauch rammte. Er packte den ungläubig dreinblickenden Kerl an der Schulter, stemmte ihm einen Fuß in den Bauch und trat das Bein durch. Wimmernd kugelte der Bauer rückwärts über den Boden und seine Kumpane ließen von der Frau ab. Einer nahm sofort Reißaus, der andere blickte Wintermaul einen Moment lang ängstlich ins Gesicht und folgte dann seinem Gefährten. Auch die beiden Niedergeschlagenen kamen mühsam auf die Beine und flohen humpelnd in Richtung Dorf.
Die Frau rührte sich nicht. Wintermaul wandte sich zu ihr um und musterte sie im Näherkommen von der Seite.
Sie schien noch recht jung zu sein, kaum mehr als ein Mädchen. Als er weiter auf sie zu ging wich sie ängstlich ein paar Schritte zurück. Zwei weit aufgerissene Augen starrten ihn abschätzend an.
Und Wintermaul wurde sich bewusst, welchen Eindruck ein blutüberströmter nackter Mann, der aus heiterem Himmel auftauchte und mit wildem Grinsen im Gesicht vier kräftige Burschen verprügelte, auf ein junges Mädchen haben musste.
Er blieb stehen, sah an sich herunter und versuchte unbeholfen das Blut mit den Händen wegzuwischen. Doch die Heugabel hatte ihn tief durchbohrt und obwohl die unheilige Macht in seinem Körper die Wunden bereits heilen ließ, sickerte immernoch Blut aus den drei kreisförmigen Einstichlöchern in Bauch und Brust.
Resignierend blickte er auf und versuchte seine Stimme so freundlich wie möglich klingen zu lassen.
"Ihr müsst mich nicht fürchten. Geht es Euch gut?"
Ihr Gesicht nahm einen merkwürdigen Ausdruck an, dann zog sie eine Augenbraue hoch.
"Das fragt Ihr mich? Ihr blutet wie ein abgestochener Eber."
"Das sind nur Kratzer", log er. "Er hat mich nicht richtig getroffen." Er wollte nun zu ihr hinübergehen doch sofort versteifte sich ihre Haltung.
"Kommt nicht näher! Ich habe ein Messer." Das bezweifelte er.
"Dann hättet Ihr es gegen diese Halunken einsetzen sollen."
"Das waren keine Halunken, sondern die Burschen des Müllers aus meinem Dorf. Sie wollten mir nichts tun. Sie scherzten blos." Ihre Stimme klang verärgert und zugleich besorgt. "Ihr hättet sie umbringen können. Was wollt Ihr von mir?"
"Das kam mir nicht wie ein Scherz vor. Ich dachte Ihr seid in Bedrängnis." Ihre Haltung entspannte sich nicht.
"Noble Worte, doch kommt Ihr mir eher wie ein Wahnsinniger vor." Er bemerkte ihre hilfesuchenden Blicke. Sie fürchtete sich vor ihm und suchte offenbar einen Weg ihm zu entkommen.
Beruhigend hob er die Hände.
"Ich werde Euch nichts tun. Ich..." Er rang nach Worten.
"Sie werden kommen und mich suchen. Glaubt nicht Ihr könntet mir-"
"Ich will Euch nichts antun!", schrie er sie an. Plötzlicher Zorn überkam ihn. Die Krankheit. Sie war sichtbar zusammengezuckt.
Seine Wunde hatte sich mittlerweile geschlossen. Er fuhr sich mit der Hand über die Brust und betrachtete dann einen Moment lang die verdreckten Finger. Es wäre das Klügste gewesen, einfach wortlos zu verschwinden, fuhr es ihm durch den Kopf. Aber das konnte er nicht. Obgleich furchtsam aufgerissen, übten die Augen der jungen Frau eine fast magische Anziehungskraft auf ihn aus. Er wollte etwas nettes sagen, doch ihm fielen nicht die passenden Worte ein.
"Wieso starrt Ihr mich so an? Ihr macht mir Angst." Unsicher ging sie in weitem Bogen langsam um ihn herum in Richtung Dorf, ohne ihn dabei jedoch aus den Augen zu lassen.
"Verzeiht, ich... Ihr müsst Euch wirklich nicht fürchten." Mehr aus Verlegenheit, als aus Interesse schaute Wintermaul über die Schulter und ließ seinen Blick über Hügel und Felder schweifen. "Wo sind wir hier?"
"Das ist das Hügelland... Ihr solltet vielleicht gehen."
Die Verwunderung in ihm wuchs. Das Hügelland lag weitab von Gilneas. Er musste die ganze Vollmondnacht rastlos gelaufen sein. Weshalb? Wurde er verfolgt? Oder hatte die Abenteuerlust sein inneres Tier erfasst und es weit hinaus aus dem ihm bekannten Revier getrieben?
"Ich gehe bald." Er sog tief die Sommerluft ein, mit der sich ihr Geruch vermischte. Sie befand sich nun zwischen ihm und dem Dorf und war stehen geblieben, um ihn erneut prüfend zu mustern. Dahinter stieg Staub von der Straße auf. Die Burschen mussten die Leute im Dorf alarmiert haben, die nun aufbrachen, das Mädchen zu suchen.
"Ihr seid verwirrt. Eventuell solltet Ihr doch mit ins Dorf kommen, damit ein Arzt nach Euch sehen kann."
Er schüttelte rasch den Kopf. Kein Arzt.
"Nein, ich wollte Euch beistehen, doch seid Ihr nicht in Gefahr. Entlohnet mich wenigstens der vergeudeten Mühen und nennet mir Euren Namen." Auffordernd reckte er das Kinn vor.
Ein amüsiertes Lächeln huschte über ihr Gesicht.
"Für einen Verrückten drückt Ihr Euch vornehm aus. Was nützt Euch mein Name?"
"Er versüßt mir den trüben Tag. Und verrückt bin ich nicht." Die Staubwolke kam schnell näher. Erste Details waren zu erkennen.
"Dann sagt mir zuerst, wer Ihr seid. Ich kenne Euch nichtmal."
Er zögerte einen Moment lang.
"Ich bin Alsendros." Er deutete eine Verbeugung an. "Dürfte ich nun den Namen der holden Maid erfahren?"
Sie kicherte. "Ihr spinnt ja... Ich heiße Lysandre."
Sein neuerdings feines Gehör nahm nun die ersten Geräusche des wütenden Mobs wahr, der sich ihnen näherte. Zeit zu gehen.
"Es war mir ein Vergnügen, Lysandre. Erweist mir die Ehre, Euch wiedersehen zu dürfen."
Sie öffnete schon den Mund zu einer Erwiederung, als er schnell "In sittlicherem Zustand" hinzufügte. Mit offenem Mund starrte sie ihn verwundert an. Bald würde auch sie die Dorfbewohner hören.
Er nickte zum Gruß und wandte sich langsam um.
"Entschuldigt. Jetzt gehe ich. Lebt wohl und passt auf Euch auf."
Er ließ sie stehen und sprang zurück in das Weizenfeld, aus dem er gekommen war. Seine Gedanken flogen. Kein Wunder, dass man ihn für verrückt gehalten hatte.


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